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Fallbeispiel(e)

Alles hat im Gymnasium angefangen

Wir wollten anders sein als die anderen. Jugend-Komplexe wahrscheinlich. Den ersten Joint habe ich mit 16 oder 17 Jahren geraucht, ich erinnere mich nicht genau. Seit diesem Tag habe ich nicht mehr aufgehört, Gras zu rauchen. Ich kaufte auch gröβere Mengen und verkaufte sie dann an meine Mitschüler. Ich dachte, ich sei ein toller Kerl, sagt L.T., ein 30-Jähriger aus Podgorica, der heute mit Hilfe der Klinik „Dr. Vorobjev“ ein geheilter Drogenabhängiger ist.

Er war bereit unter Geheimhaltung seiner Identität den Lesern der „Revija D“ von der Heroinhölle zu berichten, durch die er und seine Familie gegangen sind, aber auch von der einzigen Methode (und er hat viele ausprobiert), die ihm geholfen hat, wie er sagt, wieder die Sonne zu sehen und die Welt mit den Augen eines normalen Menschen zu betrachten. Er war bereit zu sprechen, weil er hofft, dass seine Geschichte aufrüttelt und viele retten wird, die sich in den Fängen der Drogen befinden...

Das Gymnasium, sagt er, habe er überwiegend im Rauch von Gras verbracht, aber das war ihm nicht genug. Seine Grenze habe er erreicht, wenn er nicht mehr stehen konnte. Dies erreichte er, indem er Marihuana mit Alkohol und Antidepressiva mischte, doch dann habe er „Trodon“ entdeckt, ein Opiat in Tablettenform mit ähnlicher Wirkung wie Heroin. Trotz der ständigen Zerstörung des Gehirns und des ganzen Organismus gelang es ihm, einen ziemlich guten Schulabschluss zu machen. Er war einer der besten Schüler seines Jahrgangs. L.T. suchte sich eine gute Universität aus, das Gymnasium war ein gutes Sprungbrett...Im ersten Studienjahr lernte er die gefährlichste aller Drogen kennen – das Heroin. Der Drogenkonsum im Gymnasium war eine „gute“ Ausgangssituation für den Tod oder die Heroinsucht., die schlimmste aller Suchterkrankungen.

Mit den ersten Prüfungen kam das erste Schnupfen

Ich war 19 als ich das erste Mal Heroin schnupfte und ich empfand die gröβte Lüge...

Der Körper pulsiert vor Vergnügen, ich schmolz regelrecht dahin vor Genuss, ich fühlte Liebe, grenzenlose Liebe. Ich liebte jeden und dachte, alle würden mich lieben. Im Vergleich zu Heroin war alles andere lächerlich, ich dachte, es gebe kein Problem, das ich nicht lösen könne. Aber ich hatte keine Ahnung, in welchem Irrtum ich mich befand und auf was ich mich eingelassen hatte, sagt L.T. Kurz darauf brauchte L.T. immer mehr, um glücklich zu sein und den Zustand des ersten Heroinkonsums wieder zu erreichen. Doch dies wurde, so sagt er, zu einer unmöglichen Mission. Wie viel auch immer er schnupfte, es war nicht genug. Zur Ekstase kam es nicht mehr. Alles was blieb, war der Kampf gegen die Entzugserscheinungen.

Das, was ich Genuss nannte, war verschwunden. Mein Leben bestand nur noch aus der Beschaffung von Drogen und Geld. Wenn ich einige Stunden kein Heroin genommen hatte, bekam ich unerträgliche Schmerzen und mir kamen die verrücktesten Gedanken. Ich war zu allem bereit, um an Geld zu kommen. Ich hatte keinerlei Emotionen. Meine Eltern und das, was sie durchmachten, während sie ihren Sohn sterben sahen, war mir völlig gleichgültig. Ich hatte überhaupt keine Gefühle. Ich hörte auf zu lieben, vergaβ zu lachen und zu weinen, ich wurde zum Zombie. In meinem Kopf gab es nur noch das Heroin, erzählt L.T.

Er habe seinen Vater gezwungen, gesteht er, Geld für Drogen zu leihen. Er sei aufgestanden, sagt er, geschwitzt, mit Schmerzen, ohne Farbe und einem unnormalen Ausdruck im Gesicht und habe seinem Vater eröffnet, er müsse Geld für Drogen besorgen. Manchmal sei es vorgekommen, dass er nicht aus dem Bett habe aufstehen können und dann habe sein Vater die Drogen „besorgt“. - Sie verlangten von mir, ich solle aufhören, ich solle einen Entzug machen. Anfangs habe ich nicht zugeben wollen, dass ich ein Problem mit Drogen hatte und ihnen gesagt, ich bräuchte keine Hilfe und dass ich schon aufhören würde, wenn ich es wolle. Doch dann wurde mir klar, dass ich doch ihre Hilfe benötigte. Sie besorgten mir verschiedene Tabletten, brachten mich zu Psychatern, die auf Suchtkranke spezialisiert waren. Ich war in einigen Programmen, probierte verschiedene Methoden. Der letzte Versuch waren Blocker. Ich nahm sie ein Jahr lang und war in dieser Zeit clean, aber sobald ich aufhörte sie zu nehmen, kam ich wieder auf Heroin. Ich dachte, dass sei das Ende und dass ich den Rest meines Lebens mit Drogennehmen und den Versuchen davon loszukommen verbringen müsse. Ich ergab mich in mein Schicksal und wartete auf den Tod. Als ich ganz am Boden war, hatte Gott Erbarmen mit mir. Die bekannte Moskauer Klinik „Dr. Vorobjev“ öffnete eine Abteilung in Belgrad. Ich hatte von ihren Erfolgen bei der Behandlung von Drogensucht gehört. Immer hatte ich insgeheim davon geträumt, aber sie waren physisch und finanziell weit weg, doch jetzt waren sie hier. Mein Glück kannte keine Grenzen. Ich sagte meinen Eltern, dass das die Lösung sei und dass mich das sicher aus der Hölle ziehen würde. Ich musste es ihnen nicht zweimal sagen., erinnert sich L.T.

Seine Mutter habe, sagt er, die Klinik angerufen und es sei ihr gelungen, einen Behandlungsplatz zu bekommen. Und L.T. fuhr schlieβlich nach Belgrad, um gerettet zu werden. Die Klinik befindet sich in Zemun. Als er vor der Tür stand, habe er sich gefühlt, als stünde er vor der Himmelstür.

Die Wiedergeburt dauerte 21 Tage

In der Klinik arbeiten nur Ärzte aus Russland. Die Methoden sind vollkommen anders als alles, wovon ich bisher gehört habe. Am ersten Tag wurde eine Entgiftung vorgenommen. Ich stand mehrere Stunden unter Vollnarkose und meinem Körper wurde alles Gift entzogen. Den Entzug habe ich nicht einmal gemerkt. Es folgten Behandlungsmethoden, deren Ziel es war, die Erinnerung an Drogen aus meinem Unterbewusstsein zu löschen. Am vorletzten Tag wurde eine besondere Prozedur durchgeführt. Sie gaben mir eine Injektion...Während ich da lag, wechselten Bilder aus verschiedenen Perioden meines Lebens, von meiner Kindheit bis zu diesem Tag, vor meinen Augen. Ich sah alles Mögliche, kam durch einige Tunnel, fuhr mit Aufzügen und dann hörte ich irgendwelche Stimmen, die mir sagten, ich solle Drogen nehmen. Ich glaube, ich lehnte ab, denn ich hatte während der Thearpie gelernt, dass Drogen Tod bedeuten, und als ich an Drogen dachte, haben meine Lungen aufgehört zu funktionieren. Ich dachte, ich müsste sterben, vielleicht bin ich auch gestorben, ich habe keine Ahnung, abr auf einmal schlug ich die Augen auf und sah die Ärzte um mich herum, und da war ich überglücklich, am Leben zu sein. Zum ersten Mal seit ich in die Hölle der Drogensucht getreten war, freute ich mich über das Leben, erzählt L.T. Die Ärzte haben ihm damals die Hand gereicht und ihm gratuliert und gesagt: „Jetzt bist du neu geboren! Die Drogen sind Vergangenheit, wir haben sie aus deinem Kopf gelöscht und es wird Zeit, dass du ein neues Leben beginnst!“

Und so war es wirklich...

Das Gefühl, dass die Drogen hervorrufen, habe ich völlig vergessen und was am wichtigsten ist, sie haben mir die „Würmer“gelöscht, ich habe nie wieder an Heroin gedacht. Ich habe ein normales Leben begonnen, ich denke über Familie nach und Arbeit, über alles, worüber ein normaler Mensch nachdenkt.


 

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